Vision

von Jugendbischof Stephan Turnovszky

Auf der Weltjugendtagsakademie in Rom über Palmsonntag 2017 wurden erstmals rund 50 jungen ehren- und hauptamtliche Verantwortungsträger rund um das Thema „Weltjugendtag“ mit jener Vision bekannt gemacht, aus der später das Projekt „Jesus in the City“ entstehen sollte. Die Organisatoren der Akademie hatten mich als Jugendbischof gebeten, einen Impuls ausgehend von zwei Fragen zu halten: Was macht den besonderen Spirit der Weltjugendtage aus? Und wie können wir davon mehr nach Österreich holen?

Was macht den besonderen Spirit der Weltjugendtage aus?

Es ist vor allem eine besondere Stimmung, die vom Geist der Weltjugendtage her spürbar wird: denn immer ist „eine Stadt wie verwandelt“!
Während Massen junger Menschen friedlich unterwegs sind, selbs solche aus kriegsführenden Ländern (!), geschieht eine positive und erhebende Verwandlung, nicht agressiv oder ausufernd wie vielleicht bei Hooligans o.a. Zunächst Unbekannte erleben Freude miteinander, Herzlichkeit und Vertrauen sind spürbar. Ich möchte einzelne Elemente herausstreichen, die mir wesentlich erscheinen:

Ich verstehe mich mit mir unbekannten Menschen:

  • Musik, Lieder verbinden dabei Menschen über Sprachbarrieren hinweg,  in den U‐Bahnstationen und auf den Plätzen wird gemeinsam und spontan musiziert.
  • Flaggen sind wichtig als Erkennungszeichen und für Gruppenzugehörigkeit, sie wecken Neugier oder Wiedersehens-Freude.
  • eine starke Symbolsprache berührt die Herzen: besonders beim Kreuzweg oder der Weitergabe des WJT‐Kreuzes.
  • Glaube verbindet: ich kenne den anderen vielleicht noch nicht, aber ich weiß, was (wer) ihm am wichtigsten ist.

Anwesender Glaube hilft!

  • Denn Glaubenspraxis im großen Stil vermittelt der Jugend nonverbal: Wir sind ja viele!
  • Als einzelner komme ich mir nicht seltsam vor, wenn ich beichten gehe etc. – es ist eine große Natürlichkeit in der gelebten Spiritualität sicht- und erfahrbar: sie strahlt Freude aus und ist auf besondere Weise.

Ein Blick über den eigenen kleinen (z.B. nationalen) Tellerrand tut gut:

  • durch die weltkirchliche Perspektive; auch die Begegnung zwischen Einheimischen und Pilgern ist stark: beide Seiten erleben sich als Beschenkte.
  • durch die Anwesenheit des Papstes – als Realsymbol für eine Einheit in Vielfalt
  • Essen wird ebenso miteinander geteilt, wie Mühen. Für alle gibt es streckenweise auch Mühsames. Insgesamt ist jeder ist mit seinem persönlichen Opfer involviert – und spürt dabei auch, wie schön es ist, auf andere zuzugehen und zum größeren Ganzen beizutragen.

Wie können wir mehr vom Spirit der Weltjugendtage nach Österreich holen?

Zum Zeitpunkt der Weltjugendtags-Akademie hatten wir noch keinen Ort im Blick. Inzwischen hat sich herauskristallisiert: „Jesus in the City“ findet statt in Wiener Neustadt, 7.‐10. Juni 2018. Unsere Ziel und unsere Motivation: Wiener Neustadt auf ähnliche Weise „verwandeln“ – durch die vielfältige Präsenz gläubiger junger Menschen, in Begegnung mit den Menschen der Stadt. Es ist eine Premiere, daher wird alles einerseits klein beginnen. Dennoch denken wir groß. Verwandlung ereignet sich nicht nur in dem, was man von außen sieht. Unsere Sehnsucht ist, dass Menschen im Herzen berührt werden.

Elemente:

  • Veranstaltung, die Wachstum in die Tiefe (Glaubensvertiefung ‐ „Jüngerschaft“) mit Wachstum in die Breite (einladende „Mission“) verbindet.
  • Zu Mission gehören auch Sozialprojekte, auch bloßes Zuhören und v.a. die Bereitschaft vom anderen zu lernen.
  • Option für die Armen umsetzen (z.B. Festessen oder Friseur oder…)
  • Attraktive Namen (Festredner), die Teilnehmer anziehen
  • Von der ganzen Bandbreite junger Katholiken getragen: KJÖ, JAKOB, u.a.m.? Alle entsprechend ihrem Charisma! Ganz viele verschiedenartige Gruppen gemeinsam!
  • Österreichweiter Charakter muss sichtbar sein: Fahnen und Zeichen für Zugehörigkeiten in Gruppen bzw. zu Bundesländern erwünscht!
  • Erkennungszeichen wie Schals, Hüte, T‐Shirts, Armbänder o.ä.
  • Eine kleine Schulstadt in Österreich
    • Kleinstadt: damit die Stadt auch wirklich verwandelt werden kann.
    • Schulstadt, um viele junge Leute zu erreichen
  • Zeitpunkt: Wochenende (mit Zusatztagen) während der Schulzeit
  • Während des Schulunterrichtes in den Schulen einladen für die Veranstaltungen in der schulfreien zeit
  • Bischöfe sind unkompliziert dabei.
  • Einer der Bischöfe muss explizit für die Einheit stehen. (Kardinal hat bereits zugesagt!)
  • Evtl. internationale Gäste einladen, um die Selbstzentrierung auf Österreich zu unterlaufen.
  • Im Kontext der Synode 2018:
    • Das direkte Gespräch mit Jugendlichen wird gesucht.
    • Involvierung aller Jugendlicher, nicht nur der gläubigen
  • Leben und Erleben von Gastfreundschaft (Unterbringung)
  • Anregung für flankierende Elemente vorher/nachher (Nachhaltigkeit)
    • z.B. follow me, Alpha, Wallfahrt, Priestertag…